Es gibt doch was zu streiten
by TheCloneDas Nebelland hat kürzlich einen Artikel veröffentlicht, der sich mit den oft wiederkehrenden Diskussionen zum Thema Erzählrollenspiel vs. taktisches Rollenspiel auseinander setzt. Der Artikel ist sehr ausführlich und greift das Thema sehr sachlich auf, was mir gut gefällt. Leider aber, und darum schreiben ich diesen “Kommentar” dazu, hat der Artikel meiner Ansicht nach ein fundamentales Problem. Er vergleicht einserseits sehr schön die beiden Arten von Rollenspiel und versucht sie voneinander zu trennen. Florian nennt es zwei “Klassen” von Rollenspiel. Andererseits fehlt mir eine Definition, wann denn zwei Klassen eben zwei Klassen sind und nicht nur verschiedenen Spielstile. Dass diese beiden Definitionen von Rollenspiel sich unterscheiden wird prima dargelegt. Aber die daraus abgeleitete Aussage, es wären zwei unterschiedliche Spiele wird nicht weiter begründet. Die dargelegten Unterschiede sollen auch aussagen, es wären zwei Spiele, die ohne weitere Begründung auch nicht kombinierbar sein sollen.
Grundsätzlich möchte ich nicht sagen, dass diese These abwegig ist, nur verfehlt der Artikel sein selbst gewähltes Kernthema meiner Ansicht nach deutlich. Der eigentliche Knackpunkt wird ausgelassen. Außerdem vermisse ich eine Abhandlung darüber, ob die beiden genannten Arten des Spiels wirklich die einzigen sind. Es wäre schon dazu noch etwas von Dir zu lesen, Florian, denn der Artikel wirkt sehr sachlich und gut recherchiert.
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Tags: Big Model, Hintergrund, RPG-Theorie
Mai 11th, 2009 at 09:59
Hi,
danke fürs Lesen und Verlinken.
(Ich hoffe, dass das Blog Zitate richtig darstellt:)
> Andererseits fehlt mir eine Definition, wann denn zwei
> Klassen eben zwei Klassen sind und nicht nur
> verschiedenen Spielstile.
> [...]
> Aber die daraus abgeleitete Aussage, es wären zwei
> unterschiedliche Spiele wird nicht weiter begründet.
Das kann ich so nicht nachvollziehen.
Gegeben: zwei Spiele sind unterschiedlich, wenn sie sich in fundamentalen Eigenschaften (Regeln, Komponenten, Ziele, …) unterscheiden. (Metapher: zwei Automobile sind unterschiedlich, wenn sie sich in Motor, Getriebe, Mechanik, Karosserie unterscheiden, nicht nur in Farbe oder Extras.)
These: Erzählrollenspiel und taktisches Rollenspiel sind unterschiedliche Spiele.
Beweisführung: anhand fundierter Spieltheorien werden Unterschiede isoliert und dargestellt – siehe Artikel.
Ergebnis: Fundamentale Unterschiede bestehen, die These ist wahr, es sind verschiedene Spiele.
Was ist denn da unklar? Das ist keine rhetorische Frage, ich präzisiere das gerne. Vielleicht sollte ich wirklich noch einen Abschnitt ergänzen, was ich unter “Klassen” verstehe und was “Klassenunterschiede”
sind. Das wird im Artikel zugegeben sehr implizit abgehandelt.
Grüße, Florian
Mai 11th, 2009 at 10:06
Ja, wenn Du das bzgl. der Klassen(unterschiede)ergänzt kann das sehr weiterhelfen, denke ich. Der Vergleich mit den Autos hat das Problem, dass es wenig objektive Kriterien gibt, was Extras sind und was der Motor ist. Aber wenn es dafür eine gute Begründung gibt, ist das eine gute Grundlage. Mit den zwei Punkten kann es dann schon rund sein. Halt mich auf dem Laufenden, wenn Du das nachträgst
Mai 11th, 2009 at 16:16
So,
ich habe noch einen Abschnitt ergänzt: “Grenzziehung: Die Klassifizierung”. Darin erkläre ich, “wann denn zwei Klassen eben zwei Klassen sind und nicht nur verschiedenen Spielstile” (ich nenne es Varianten) sind. Zum Thema “ob die beiden genannten Arten des Spiels wirklich die einzigen sind” habe ich dort auch was gesagt.
Ich hoffe, dass ich nun auch aus Deiner Sicht das Kernthema nicht mehr “deutlich verfehle”.
Viele Grüße,
Florian
Mai 11th, 2009 at 20:40
Ich finde Nebellands Artikel insgesamt sehr gut, auch wenn ich noch nicht dazu gekommen bin, ihn ganz zu lesen.
Überhaupt gefallen mir die Betrachtungen zum ADR sehr gut und ich werd glaube ich auch mal demnächst das Buch bestellen. Deckt sich, wie ich glaube, in vielen Punkten mit dem, was ich z.B. in der Drama vs. Regeltreue – Reihe hier so von mir gebe.
Darüberhinaus betrachte ich mal kritisch die Kritik von meinem Mitblogger Cloni. Nicht inhaltlich, sondern weil solche relativ kurzen Anmerkungen vielleicht direkt bei Nebelland besser aufgehoben wären. Wobei: Gibt es da eigentlich eine Kommentarfunktion?
Grüßle der Joni
Mai 12th, 2009 at 03:51
Hier also hat sich die Kommentarfunktion für Nebellands Blogeintrag verschanzt.
Na dann will ich auch mal:
>Außerdem vermisse ich eine Abhandlung darüber, ob die beiden genannten Arten des Spiels wirklich die einzigen sind.<
Meiner Beobachtung nach ist das nicht der Fall. Jedenfalls bin ich beim Spielen von Prince Valiant auf fundamentale Unterschiede zu (z.B.) den WoD-Rollenspielen gestoßen.
Ersteres beruft sich mWn auf Formen mündlicher Überlieferung und hat nur wenige Bezugspunkte zur Dramatik.
Zur sog. “Freeform” (Systembeispiel: Daidalos) bleiben beide Arten von Erzähl-Rollenspielen auf Distanz.
Und wären da noch die Forge-Spiele mit ihrem engen thematischen Blickwinkel.
… soviel in aller Kürze.
Segen & Gruß
D.
Mai 12th, 2009 at 07:00
@Joni
Ich habe leider keine Kommentarufnktion im Nebelland gefunden, sonst hätte ich mich da geäußert. Und da ich mich nicht zurück halten konnte, mußte es eben hier sein.
@Florian
Ich gebe zu, das war etwas (zu) provokant formuliert, sorry. Jetzt fügt sich der Text für mich besser zusammen und ist abgerundet. Als nächstes bin ich ehrlic hgespannt wieweit sich Deine Klassifizierung durchsetzen wird. Das Zeug dazu hat sie allemal, aber der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail.
@DealgAthair
Ich kann mir auch nciht so ganz vorstellen, dass das die beiden einzigen Stile oder Klassen sind, aber ich glaube es sind die wichtigsten/größten.
Mai 12th, 2009 at 07:40
Cloni: Das ist dann natürlich ganz was anderes. Vielleicht sollte er mal eine einrichten?
Darüberhinaus: Rollenspiel bewegt sich im Großen und Ganzen schon auf der Achse Spiel-Erzählung. Alles andere mMn sind höchstens noch Unterkategorien – auch wenn sie andere Thematiken, Schwerpunkte, Erzählrechte reinbringen.
Juni 8th, 2009 at 14:12
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